Taktstock - Das Instrument des Dirigenten

aus der Fetschrift 2006Ist der Taktstock ein Musikinstrument? „Der Dirigent schimpft immer mehr über den Klang des Orchesters, bis dieses einmal komplett den Einsatz verweigert. Der Konzertmeister erklärt dem Dirigenten: „Sehen sie, so klingt ein Taktstock!“

Die Instrumentenkunde:

Der TaktstockDer Taktstock selbst klingt nicht, und der Dirigent produziert - streng genommen - keine Klänge. Er animiert die Musiker, auf Ihren Instrumenten die Töne zu spielen, die in ihrer Gesamtheit den Orchesterklang ausmachen. Also wäre der Resonanzkörper des Taktstocks das Orchester.

Es gibt verschiedene Taktstöcke, was auch mit der Physis der Dirigenten zu tun hat. Manche sind größer, manche haben breitere Schultern, manche sind runder oder dünner. Der Taktstock muss zur Person passen. Die optimale Länge ergibt sich aus dem Abstand von der Ellenbeuge bis zur Mitte der Handfläche.

Die Aufgabe des Dirigenten:

Der Dirigent erarbeitet mit den Musikern des Orchesters das musikalische Werk und führt es Aufführung bzw. Konzertreife.

  • Der Dirigent koordiniert die technische und künstlerische Leistung der Musiker.
  • Der Dirigent gibt die Tempi an und gestaltet den musikalischen Ausdruck.
  • Der Dirigent hat die Gestaltungshoheit für die musikalische Interpretation, d.h. dass nach seiner Klangvorstellung bzw. seinem Klangkonzept das Werk erarbeitet und aufgeführt wird.

Einen Eindruck, wie die Aufgaben und Funktionen eines Dirigenten in Aktion aussehen, erhält man durch Dirigent Joseph R. Olefirowicz. Er ist ein Gesamtkunstwerk: Name, Figur, Charakter, künstlerische Leichtigkeit. Ein Video von ihm auf YouTube zeigt seine Gefühle, bei jeder einzelnen musikalischen Phrase. Das Stück ist „What’s the use” aus Leonard Bernsteins „Candide”. Es wurde aufgenommen in der Wiener Volksoper. » Video öffnen

Über das Dirigieren:

Sir Georg Solti schrieb

„Wie man dirigiert, weiß ich nicht genau. Es ist zum Teil unbewusst, aber die grundlegende Frage ist einfach: Hat man das Talent zu führen oder hat man es nicht? Wenn man es nicht hat, kann es einem auch niemand beibringen. Wenn man einen jungen Dirigenten fünf Minuten lang beobachtet, dann weiß man, ob er das Orchester leitet oder ob er schwimmt. Wer schwimmt, der schafft es nie, und der Orchesterleiter leitet immer. Das ist das erste Kriterium.“

Zehn Goldene Regeln für Dirigenten von Richard Strauss:

  • Bedenke, dass du nicht zu deinem Vergnügen musizierst, sondern zur Freude deiner Zuhörer.
  • Du sollst beim Dirigieren nicht schwitzen, nur das Publikum soll warm werden.
  • Dirigiere Salome und Elektra als seien sie von Mendelssohn: Elfenmusik
  • Schau niemals aufmunternd das Blech an, außer mit einem kurzen Blick, um einen wichtigen Einsatz zu geben.
  • Dagegen lasse niemals Hörner und Holzbläser aus dem Auge: wenn du sie überhaupt hörst, sind sie schon zu stark.
  • Wenn du glaubst, das Blech blase nicht stark genug, so dämpfe es nochmals um zwei Grade herab.
  • Es genügt nicht, dass du jedes Wort des Sängers, selber hörest, das Publikum muß mühelos folgen können. Versteht es keinen Text, so schläft es.
  • Begleite den Sänger stets so, dass er ohne Anstrengung singen kann.
  • Wenn du glaubst, das äußerste Tempo erreicht zu haben, so nimm das Tempo noch einmal so schnell.
  • Wenn du dies alles freundlich bedenkst, wirst du bei deiner schönen Begabung und deinem großen Können stets das ungetrübte Entzücken deiner Hörer sein.

Einem jungen Kapellmeister ins Stammbuch geschrieben (1922)

aus der Festschrift 2006

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